Pflegefamilienwerkstatt  

"Eine kleine radikale Minderheit" so bezeichnet der Hamburger Diplompsychologe Kai-Uwe Fock augenzwinkernd Pflegeeltern, die sich - wie er sagt - "freiwillig Stresspegeln aussetzen, die mit denen von Formel-1-Fahrern vergleichbar sind.

 

Nach vielen Jahren Erfahrung als Pflegemutter habe ich einen Schwerpunkt meiner Arbeit auf die  Beratung von Pflege- und Adoptivfamilien gelegt. Pflegeeltern leben oft unter einem Druck, den sie erst erkennen oder sich erst eingestehen, wenn die Situation eskaliert.

Zwar benötigen Pflegekinder häufig die Hilfe eines Therapeuten, nicht aber die Pflegeeltern.

Coaching ist keine Therapie, will es nicht sein und ist auch kein Ersatz dafür. Es gibt keine Lösungen vor (und Ratschläge nur dann, wenn sie gewünscht werden) aber es hilft dabei, ganz individuelle, auf die jeweilige Pflegefamilie zugeschnittene Lösungen zu finden. Probleme werden nicht ausgeblendet, aber der Blick wird immer mehr weg vom Problem, hin auf die Lösung gelenkt.

So kann eine Problemhypnose vermieden werden. 

Verschiedene Vorgehensweisen sind möglich:

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 Die längere Begleitung eines Prozesses 

  • Entscheidungsprozesse für die Aufnahme oder Herausnahme eines Kindes
  • Beratung der Pflegeeltern begleitend zu einer Therapie des Pflegekindes
  • Finden von sehr individuellen, auf die jeweilige Familie zugeschnittenen Lösungen
  • ...

 

 Bearbeitung individueller Fragestellungen 

  • Wie gestalten wir Besuchskontakte/ Kontakte zur Herkunftsfamilie?
  • Wie gelingt es, das Aufflackern alter Traumata als Familie aufzufangen und gut damit umzugehen?
  • Wie geht man mit Bindungsstörungen um?
  • Wie bekommen wir die konträren Bedürfnisse leiblicher Kinder mit denen des Pflegekindes unter einen Hut?
  • Wie gehe ich mit Schuldgefühlen um, weil ich den leiblichen Kindern ein so schwieriges Familienleben zumute.
  • Wie erhalte ich genügend Freiraum für mich?
  • Wie erhalten wir als (Ehe-)Paar genügend Freiraum für uns und wie können wir als Paar auftretenden Belastungen begegnen?
  • Wie reagieren wir auf Unverständnis in unserem Umfeld und in der Öffentlichkeit?
  • Wie finden wir zu einem guten Umgang mit sich verändernden und manchmal endenden Beziehungen(in Verwandtschaft und Freundschaft)?
  • ...

 

 kurzfristige Interventionen bei aktuellen Krisen 

  • Auseinandersetzungen mit den leiblichen Eltern oder mit Behörden
  • massive Schulschwierigkeiten
  • das Kind stiehlt, kommt mit dem Gesetz in Konflikt
  • Drogenkonsum
  • Auffälligkeiten im Sexualverhalten
  • Eskalieren der Familiensituation
  • ...

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Pflegekinder sind Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können. Jede Trennung verletzt und mit dieser Verletzung, diesem Trauma, kommen die Kinder in ihre neue Familie. Häufig haben sie Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch erlebt. Diese Erfahrungen haben nicht nur ihr Verhalten geprägt, sondern ihr Überlebensmuster. Dies bringen sie mit in die neue Familie, in der sie vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben Liebe und Struktur erleben. Viele Kinder sind damit überfordert. "Dazu gehören", sich integrieren, dafür müssen diese Kinder riesige Energien aufbringen, über die sie nicht auf Dauer verfügen. Immer wieder, besonders in Stresssituationen fallen sie in alte Muster zurück.

In diesen Phasen provozieren sie, inszenieren Konflikte, zerstören(oft, was ihnen lieb ist), verletzen sich selbst, sind grenzenlos in ihren Ansprüchen und vereinnahmen die Menschen in ihrer Umgebung. Durch vergleichbare frühkindliche Erfahrungen ähneln sich viele Pflegekinder in ihren Verhaltensweisen:

 

  • fehlendes Selbstwertgefühl
  • fehlende Selbststeuerung, Unruhe
  • mangelndes Unrechtsbewusstsein(Gewissen)
  • starkes Bedürfnis im Mittelpunkt zu stehen
  • kaum Lernen aus Erfahrung
  • ADHS
  • Geringe Frustrationstoleranz
  • Überschreiten von Normen(Lügen, Stehlen...)
  • Fehlender Realitätsbezug
  • depressive Phasen
  • Borderline (bei älteren Kindern)
  • ...

Pflegeeltern brauchen viel Kraft, ständig neue Ideen, Durchhaltevermögen und Flexibilität um die gewählte Aufgabe zu meistern. Viele leiden an ihrem Bild in der Öffentlichkeit, die häufig nur eine auffällige, unruhige Familien vor Augen hat. Hier sind ein Umdenken in der Gesellschaft, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit über die Arbeit von Pflegefamilien gefragt.